
„Jena – Standort für Fortgeschrittene“ heißt die neue Standortkampagne, mit der sich Jena bekannter machen will. Dabei gibt es durchaus Bereiche in denen Jena nicht voranschreitet sondern hinterherhinkt. Der Breitband-Ausbau in der Innenstadt ist ein solcher Bereich in dem Jena wenig konkurrenzfähig ist. Das zeigt nicht nur ein Blick auf die Jenaer Breitbandkarte, sondern wird auch bei der Betrachtung der folgenden Zahlen deutlich.
Der Internetdienstleister Akamai hat im dritten Quartalsbericht 2009 für Deutschland unter anderem die durchschnittliche Geschwindigkeit der Internetanschlüsse berechnet [1]. Dabei wurde eine Geschwindigkeit von etwa 3700kB/s errechnet. Für das Jenaer Stadtgebiet liegt die Bandbreite der Anschlüsse deutlich darunter. Im Durchschnitt surften die Jenaer Bürger mit lediglich circa 3000kB/s - fast ein Viertel weniger als der Bundesdurchschnitt.
Betrachtet man sich die Anschlüsse genauer, wird deutlich wo genau das Problem des Breitbandausbaus in Jena liegt. Zwar gibt es im Innenstadtgebiet – insbesondere außerhalb des Zentrums – Anschlüsse mit mehr als 5MB/s. Diese haben einen Anteil von etwa 21 Prozent an den Gesamtanschlüssen. Damit liegt Jena sogar etwas über dem Bundesdurchschnitt (16 Prozent). Bei den restlichen Anschlüsse sieht es dagegen eher düster aus: zwei Drittel der Internet-Anbindungen in Jena haben eine Bandbreite von weniger als 2MB/s. Damit hat Jena einen überhöhten Anteil an eher langsamen Anschlüssen und liegt deutlich unter dem Durchschnitt in Deutschland. Im bundesweiten Vergleich haben nur etwa 20 Prozent aller Anschlüsse 2MB/s oder weniger.
Dazu kommen immer wieder berichtete Schwierigkeiten neue Anschlüsse zu bekommen.
Diese Zahlen machen Jena wenig attraktiv für neue Fachkräfte, Wissenschaftler und Unternehmer. Schnelle Internetanschlüsse sind heute ein Muss für modernes Arbeiten. Fehlen Breitbandanschlüsse werden alle, die darauf angewiesen sind, andere Städte (die dazu noch mit günstigeren Mieten und einem besseren Wohnraumangebot aufwarten können) bevorzugen – Standortkampagne hin oder her. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich warum das Thema im Stadtrat nach wie vor aufgeschoben wird und die angekündigte Arbeitsgruppe zu dem Thema bislang nicht zu existieren scheint, denn jedes Verzögern bedeutet auch die Konkurrenzfähigkeit des Standortes Jena weiter zu schwächen.
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